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Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen und will euch bringen nach Zion.
Jeremia 3,14

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
Johannes 6,37

Geschichte und Beschreibung der Kirche Kollmar

 

Die Geschichte der Kirche

 

Die  Kollmarer Kirche wurde im Jahr 1448  als einschiffiger Backsteinbau auf dem alten Kollmarer Deich in der heutigen Großen Kirchreihe errichtet.  Dies ist auf der  Inschrift über dem Portal zu lesen.  1858 wurde das Äußere durchgreifend erneuert: Die Mauern wurden neu verblendet, und sie wurden durch Rundbogenfenster und Lisenenstreifen (Saumleisten) gegliedert.

Die große Kirchglocke erklang erstmalig 1453.

Ein hölzerner Glockenturm ist seit 1566/67 verbürgt. Der Turm im Westen wurde 1648 durch einen Sturm  umgeworfen, wobei auch die Kirche Schaden nahm. Er wurde als hölzerner, viereckiger Glockenturm mit hoher Spitze wieder errichtet.  1870 erhielt der hölzerne Turm eine Schieferbekleidung mit außergewöhnlichem Rautenmuster. Dieses blieb auch nach der Renovierung 1987 teilweise erhalten.

Schon 1561 gab es eine Orgel und 1580 wurden Uhrwerk, Kruzifix und Bilder auf dem Altar erneuert.

Auch die Kollmarer Kirche litt unter dem  30 jährigen Krieg (1618-1648). Wallensteins Truppen nutzten die Kirche 1628  als Stallung für ihre Pferde und richteten etlichen Schaden an Kirche und Turm an. Ein Jahr später, nach Abzug der Truppen wurde die Kirche nach Instandsetzung drei Wochen nach Pfingsten 1629 neu geweiht. Bis in die jüngste Gegenwart wurde in Erinnerung an diesen besonderen Tag in Kollmar die Kollmarer Kirchmess, früher als Messe, später als Volksfest mit Jahrmarkt, gefeiert.

1564 wurde ein Pfarrhaus gebaut, dort wo auch heute das Pastorat von 1870 steht.

 

 Kriegsmahnmale

In direkter Nähe der Kirche, auf dem Grundstück des Grenzzollwächters Kahlke, pflanzte man nach dem Endedes deutsch/französischen Krieges von 1870/71 zwei Friedenseichen: "zum Andenken an den Frieden mit Frankreich und an die Einigung des deutschen Vaterlandes unter Kaiser Wilhelm, König von Preußen, welcher einen für Deutschland so gloreichen Frieden ermöglicht hat." 

Am 17.Oktober 1920 fand die Einweihung der Gedenktafel in der Kirche und des Gedenksteines für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges statt. Diese Denkmale konnten durch freiwillige Gaben der Gemeinde in Höhe von 1.540 Reichsmark errichtet werden. Auf der Tafel in der Kirche befinden sich 53 Namen. - Am 1.August 1922 wurden auf dem Gedenkfriedhof zusätzlich 53 Einzelsteine mit den Namen der Kriegsopfer aufgestellt.

Im Frühjahr 1922 brannte die direkt südlich der Kirche gelegende Gastwirtschaft von Hermann Magens (vordem Wernecke) ab. Auf der daraufhin entstandenen Freifläche zwischen der Großen Kirchreihe und dem Kirchhof entstand später das gemeinsame große Monument für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges. Die 53 Einzelsteine für die Opfer des 1. Weltkrieges legte man kranzförmig um das neue Mahnmal - mit der Schrift nach unten. Der Grund könnte sein, dass damit deutlich wird, dass diese Steine symbolisch die Namen der toten Soldaten beider Weltkriege tragen.

 

Das Diakonat (Hilfspredigeramt)

Im Jahre 1585 errichtete Balthasar von Ahlefeld in Kollmar das "Diaconat" und berief Bartholdus Willichius zum ersten "Diaconus" und Küster. Derselbe war zugleich Schullehrer und Organist. Neben einem Festgehalt und Naturalien hatte er auch Nebeneinkünfte und 6 Morgen Land. Bis 1887, also über 300 Jahre, gab es in Kollmar zwei Pfarrstellen. Am 10.März 1887 wurde per Erlass die Aufhebung des Diakonats erwirkt. Das Diakonatshaus (Große Kirchreihe 11) wurde verkauft und der Erlös zur Schuldendeckung verwandt.

Besonders hinzuweisen ist auf eine örtliche Eigentümlichkeit: Hier gab es einen "Hundevoigt", der einzig dafür Sorge trug, dass keine Hunde in das Gotteshaus liefen. Diese Amt ist mittlerweile aber abgeschafft (seit ca. 1836).

 

Der Innenraum der Kirche

Der Innenraum der Kirche ist ein zunächst als einfacher Saalraum erbaut worden, der später ein halbrundes Tonnengewölbe erhielt mit vier Spannbalken am Gewölbefuß. In die Tonne sind Schachtfenster zur Raumerhellung eingeschnitten. Durch die Deckenbildung und die Einbauten ist eine vorwiegend barocke, schnörkellose, norddeutsche  Raumgestaltung anzutreffen.

Links und rechts vom Altar finden sich die erhöhten Ecklogen mit Sprossenfenstern. Sie dienen als Küsterraum und Vorbereitungsraum für die Geistlichen. Darüber befinden sich die verglasten Emporen. Auch an der Westseite findet sich eine Oberempore mit einer geschlossenen Sprossenfensterfront.

 

Diese Emporen  zeugen von einer ortstypischen Tradition, die noch bis zum Anfang der 1960ger Jahre gepflegt wurde. Die einstmals sehr wohlhabenden Bauern der Kollmarer Marsch erkauften sich hier ihre Sitzplätze. Auf diesen exponierten Plätzen saßen also nicht, wie sonst allerorten üblich, die Adligen, sondern die begüterten Bauern der Region, der reiche „Landadel.“ 

Die Patronatsloge

Den Gutsherren oder ihren Verwaltern war der "Herrschftliche Stuhl" vorbehalten. Das war der Raum der Emporenecke gegenüber der Kanzel. An der Wand dahinter befindet sich eine aus blauen Marmor gefertigte, schlichte, oben segmentbogige Gedächtnisplatte für Ernt von Felden (gest. 1622), Justitiar des Gutes Collmar, und seine Frau Anna Maria. Die Stuckmarmorplatte ist in die Mauer eingelassen.

 Die Bilder von Bodil Kaalund


Bodil Kaalund (8.11.1930 - 22.12.2016)

Die Emporen links und rechts des Altars sind seit 2009 mit elf zeitgenössischen Bildern von biblischen Motiven der dänischen Künstlerin Bodil Kaalund  geschmückt.

Sie zeigen

Die Erschaffung der Welt

das Paradies,

 

den Erzvater Abraham in der Begegnung mit den drei Gottesmännern,

die Errettung Moses durch die Pharaonentochter,

Jacobs Kampf am Jabok, 

Moses bringt die 10 Gebotstafeln dem Volk Israel, 

Elias Abschied im himmlischen Wagen,

den Harfe spielenden König David,

Maria und den Erzengel Gabriel mit der Geburtsverheißung Jesu,

der Besuch der Hirten und Weisen aus dem Morgenland beim  zuvor geborenen Messias

und zum Schluss Jesu Darbringung im Tempel. 

 

Die Altar-Orgelgruppe erhielt ihren Aufbau in ihrer jetzigen Form 1791, birgt jedoch Bestandteile zeitlich verschiedener Herkunft.

Der heutige Altar weist auf seinen katholischen Vorgänger, dem  alten, im 30 jährigen Krieg zerstörten Flügel- und Hochaltaraus dem Anfang des 16. Jahrhunderts hin.  Dieser Hochaltar enthielt zahlreiche spätgotische Schnitztafeln, von denen  insgesamt noch sechs  erhalten sind.  Zwei der sehr wertvollen  Schnitztafeln sind  in der unteren Zone des jetzigen Altars integriert: Jesu Einzug in Jerusalem und das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern; ein drittes, späteres Relief, die Grablegung Jesu und seine Beweinung findet sich neben diesen beiden Schnitztafeln am heutigen Altar.

Über diesen geschnitzten Bildern  sind   zwei Relieftafeln zu sehen: zunächst ist der auferstandene  Jesus dargestellt und auf der zweiten, oberhalb der Brüstung, die erheblich kleineren Relieftafel  zeigt  den kosmischen, die Welt haltenden  Gott-Vater.

Über dem ausladendem profiliertem Gesims ist die Orgelbühne zu sehen, auf deren Brüstung plastische Figuren  stehen. Zwei weibliche Heilige von bewegtester spätgotischer Faltenfülle stehen dort oben, sowie die  vier Evangelistenfiguren  Matthäus mit seinem Symbol: dem Engel, Markus mit Löwe, Lukas mit Stier und Johannes  mit Adler.

Auf dem Altar stehen zwei Altarleuchter aus Messing, mit breitem Fuß und Lichtteller und am Schaft tragen sie drei Profilringe. Sie sind in gotischer form gestaltet.

 

Die älteste Orgel der Kollmarer Kirche wurde 1561 fertig, musste jedoch mehrfach repariert  und ausgebessert werden. Sie wurde jedoch 1628 im Zuge des Vandalismus des 30 jährigen Krieges zerstört.  Nach diesen Verwüstungen wurde  an die Stelle des zerstörten Hochaltars der dreitürmige  Orgelprospekt, also die hölzerne  Fassade eingebaut.  In dieses wurde eine schlichte, kleine Orgel  integriert. Dieses neue Orgelprospekt bildet seither eine Einheit mit dem Altar. Ein gänzlich neuer Eindruck vermittelte sich nun dem Kirchgänger. Anstelle der in die Höhe weisenden, spätgotisch-katholischen Perspektive betonte  der Altarbereich in typischer barocker Auffassung  die Einheit von Musik, Gemeindegesang  und Ritus.  

Aus der Zeit des Rokoko stammen die  Muschelwerkornamente des Orgelprospektes (Rocaille).

Der Gutsherr Graf Heinrich von Holstein schenkte der Gemeinde eine neue Orgel, die 1790 gebaut wurde. ist. Am 9. Oktober 1917, zum Ende des 1. Weltkrieges, wurden die Prospekt-Pfeifen der alten Orgel (90kg) an die Sammelstelle in Glückstadt abgeliefert und eingeschmolzen. Am 5. November1917 erlitten auch die kleineren Pfeifen (202 kg) dieses Schicksal. Am 4. November 1917 wurde die 127 Jahre alte  Orgel ein letztes Mal im Gottesdienst gespielt. Bis 1935 musste sich die Gemeinde mit dem Klang eines Harmoniums begnügen. Am 3. November 1935 wurde die neue Kleinorgel, eine Multiplex, der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt an der Oder durch Pastor Rath  eingeweiht.  

Im Jahre 2007, nach fünfjähriger Sammlung, konnte sich die Kirchengemeinde eine neue, große Paschen-Orgel kaufen  und im September einweihen, denn die alte Orgel hatte im Laufe der Jahrzehnte enorm an Klangleistung eingebüßt. Sie steht heute im Deutschen Museum.

 

Das hölzerne Taufbecken von 1791 ist Marmor imitierend bemalt. Es wirkt wie ein großer Becher und hat vier Henkel und ein ausladendes Oberteil für die Taufschüssel. Das ganze ist mit vegetablem Ornament verziert und durch die den Heiligen Geist symbolisierende Taube bekrönt. Die Inschrift im Deckel weist auf die Spender hin: „ Hinrich Greve. Anna Greven Anno 1791.“  

 

Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1632.  die Schnitzereien in den Bogenfenstern folgen der heilsgeschichtlichen Ausrichtung: Sie zeigen die Geburt Christi, die Kreuzigung, die Auferstehung und die Himmelfahrt zwischen den Säulen. Auf dem Schalldeckel stehen Freifiguren der vier Evangelisten und des Salvators, sowie  die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Die Kanzel ist eine Stiftung des auf Schloss Övelgönne tätig gewesenen Gutsverwalters Hans Horst und seiner Ehefrau, zu lesen  auf der Umschrift des Geländers.

 

Ein lebensgroßes, spätgotischen hölzernes Triumphkreuz ist an dem vorderen Spannbalken vor dem Altarraum  angebracht. Es stammt aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, wurde 1580 erneuert und ist heute mit einem Ersatzrahmen versehen. Der  große, schlanke Corpus Jesu hängt an einem einfachen Brettkreuz und trägt das Inschriftband „INRI“.

 

 

 

Vier weitere Holzreliefs des ehemaligen spätgotischen Schreinaltars hängen  jetzt in Ersatzrahmen  neben dem Eingang  der Kirche: über den drei Reliefszenen Jesus im Garten von Gethsemane, der Gefangennahme Jesu und Jesu Kreuzigung  ist die große Hauptdarstellung einer vielfigurigen Kreuzigung zu sehen. Beachtenswert sind hier auch die ausgeprägten, charaktervollen Gesichtszüge der Figuren, sowie die besonderen Faltenwürfe der Gewänder.  Diese Schnitzwerke sind die eigentlichen historischen Kostbarkeiten  dieser Dorfkirche. Diese beeindruckenden Holzschnitzereien stammen  aus dem 16. Jahrhundert. Sie zeugen von wohltuender Raumaufteilung. Ursprünglich waren sie farbig gestaltet, doch in den 60ger Jahren wurden sie im Zuge der „neuen Sachlichkeit“ grau übermalt.

 

Das Gestühl im Schiff ist wurde im Zuge der aufwendigen Renovierungen 1964 unter Verwendung der alten barocken geschwungenen Wangenabschlüsse erneuert und haben so den barocken Stil der Kirche beibehalten.

 

 

Unterhalb der Empore - an der Nordwand der Kirche befindet sich ein zeitgenössisches  Kreuz der Bielenberger Künstlerin Frau Probst. Es ist aus Mooreiche und Ton angefertigt und symbolisiert das Leid der Menschen, die der  Gewalt ausgesetzt sind. Es stammt aus dem Jahr 2001.

 

An dieser Wand – einige Meter weiter westlich- hängen zwei Gedenktafeln. Eine erinnert an den deutsch- dänischen Krieg von 1848- 51, die andere an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71.

 

Unter der Empore an der Westseite hängen drei hölzerne Inschrifttafeln ( 115x 140, 115 x 175, 160 x 165) aus dem 17. Jahrhundert mit chronologischen Angaben aus dem 30 jährigen Krieg nach M. Frisius. Diese berichten von den verheerenden Zerstörungen des Kirchraums. 1775 erfolgte eine Restaurierung und Aufarbeitung der kostbaren Tafeln.

 

Hinzuweisen ist außerdem auf eine aus blauem Marmor gefertigte, schlichte, oben segmentbogige  Gedächtnisplatte von E. von Felden (+1622), der 1647 Verwalter des Gutes Kollmar geworden war. Er starb 1662 im 46. Lebensjahr.  Diese Platte ist  eingelassen in die Wand der oberen  Empore links von der Orgel.

 

Der Turm der Kollmarer Kirche war stets für zwei Glocken ausgelegt. Sie erklangen seit der Einweihung der Kirche zu Gottesdienst und Amtshandlungen. 1584 gab es Nachrichten über Schäden an der kleinen Glocke und 1603 gab es einen riss in der großen Glocke. Diese wurde 1608 eingeschmolzen und neu gegossen. 1628, während des30 jährigen Krieges wurden die Glocken und der Turm durch die marodierenden Soldaten zerstört. 1739 wurde eine neue Glocke gegossen von dem bekannten Glockengießer Johann Andreas Bieber  und seinem Schwager Nicolaus Müller aus Hamburg. Auf ihr stand geschrieben: „ Anno 1739, den 16. Februar. Soli deo Gloria. Me fecit Hamburg. Johann Andreas Bieber- A. Nicolaus Müller.“ Eine zweite, größere, goss Johann Dietrich Bieber aus Hamburg, Enkel des erwähnten Glockengießers, 1822. Diese ruft die Menschen bis heute zu den Gottesdiensten in die Kirche.

Im Sommer 1997 wurde von Dorothea Schües, geb. Bieber, einer Nachfahrin der Hamburger  Glockengießer, eine zweite Glocke für die Kollmarer Kirche gestiftet. Ihr Durchmesser beträgt 103 cm und sie wiegt ca. 600 kg. Seitdem erklingen nun wieder zwei „ Bieber-Glocken“ im Kirchdorf Kollmar. Zu Ehren der Spenderin trägt die Glocke ihren Namen „Dorothea“.  Auf der Vorderseite ist die Inschrift „ dein Schall ertönt zum Lobe des Herrn  und zum Gedenken an die vier Glockengießer Bieber 1700 bis 1860 “ zu lesen. Die feierliche Einweihung mit großem Festumzug erfolgte am 7. Juni 1997.

 

 An der Südwand der Kirche würdigte die Gemeinde die Arbeit des Geistlichen Wilder mit seinem Pastorenbild (Öl auf Leinwand). Unter dem Bild ist zu lesen: „Hr. Jacob Wilder RvDuDM gehz. zu Fehmarn 1730 ward  1760 Diaconus u. 1778 Hauptprediger zu Colmar, starb am 9. May 1822. Ausgezeichnete Berufstreue und Liebe zu seiner Gemeinde, die mit ihm seine goldene Hochzeit  u. sein 50 und 60 jähriges Amtsjubiläum feierte, bewahren sein Andenken in diesem Bilde.“

 

 

Die Pastoren

Von 1448/53 bis 1556 gehörte die Kollmarer Kirche zur katholischen Kirche. Der erste evangelische Prediger in Kollmar war Joachim Vagel, der 1556 vom Gutsbesitzer Burchard von Ahlefeld berufen wurde. Ihm folgte Otto Meynert und diesem1621 der bekannte Chronikschreiber Marcus Frisius. Jener wurde nach seiner eigenen Handschrift „ erwählt“, wonach anzunehmen ist, dass das Wahlrecht auch bereits vor seiner Zeit ausgeübt wurde. Der Pastor hatte im Jahr 1836 ein festes Gehalt von 222 Mark und 14 Schilling. Daneben hatte er Einkünfte aus Legaten (Vermächtnisse), ferner Bargeld und Naturalien von den Höfen und Katen, die Nutznießung von einem Morgen Land und  2„ eisernen Kühen“; das sind Kühe, die an das Grundstück rechtlich gebunden waren und bei Abtretung des Grundstücks ersetzt werden mussten. Für Amtshandlungen erhielt er Nebeneinnahmen und viermal jährlich erhielt er „ein Opfer vor dem Altar.“ Er zahlte Abgaben von seinen Einkünften an die Kirche, das Armenhaus, an verschiedene Hofbesitzer und den Diakon bezahlte er auch. Nach 1887 fielen die Einkünfte der Kirchenländereien aufgrund neuer Gesetzesregelungen der Kirchenkasse zu.

Im Zuge der Säkularisierung professionalisierten sich die zahlreichen Aufgaben des Pfarramtes: Die Verwaltung der Schulen sowie des Armenwesens oblagen nun den staatlichen Stellen, während sich das Pfarramt um genuin kirchliche Aufgaben kümmerte wie Verkündigung, Seelsorge, Verwaltung der Sakramente  und des Kirchenhaushalts.

 

Das Diakonat (Hilfspredigeramt)

1585 errichtete Balthasar von Ahlefeld in Kollmar das Diaconat und berief Bartholdus Willichius zum ersten „Diaconus“ und Küster. Zugleich war dieser auch Lehrer und Organist. Neben einem Festgehalt und Naturalien hatte auch er Nebeneinkünfte und 6 Morgen Land. Bis 1887 gab es hier in Kollmar zwei Predigtstellen. Am 10. Mrz 1887 wurde per Erlass die Aufhebung des Diakonats erwirkt. Das Diakonatshaus in der großen Kirchreihe 11 wurde verkauft und der Erlös zur Schuldendeckung verwandt.

 

Besonders hinzuweisen ist auf eine örtliche Eigentümlichkeit: Hier gab es einen „Hundevoigt“, der einzig dafür Sorge trug, dass keine Hunde in das Gotteshaus liefen.

 

 

 

 

 

 

Kriegsmahnmale

In direkter Nähe der  Kirche, auf dem Grundstück des Grenzzollwächters Kahlke, pflanzte man nach Ende des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 zwei Friedenseichen: „ zum Andenken an den Frieden mit Frankreich und an die Einigung des deutschen Vaterlands unter  Kaiser Wilhelm, König von Preußen, welche einen für Deutschland so glorreichen Frieden ermöglicht hat.“

Am 17. Oktober 1920 fand  die Einweihung der Gedenktafel in der Kirche und des Gedenksteins für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges statt. Diese Denkmale konnten durch freiwillige Gaben der Gemeinde in   Höhe von 1.540 RM errichtet werden. Auf der Tafel in der Kirche befinden sich 53 Namen.

Am 1. August 1922 wurden auf dem Gedenkfriedhof zusätzlich 53 Einzelsteine mit den Namen der Gefallenen  aufgestellt.

Im Frühjahr 1922 brannte die direkt südlich der Kirche sich befindende Gastwirtschaft von Hermann Magens ab. Auf der daraufhin entstandenen Freifläche zwischen der großen Kirchreihe und dem Kirchhof entstand später das gemeinsame Monument der Gefallenen der beiden Weltkriege. Die 53 Einzelsteine für die toten Soldaten wurden mit der Schrift nach unten  kranzförmig um das Mahnmal gelegt, damit deutlich wird, dass diese Steine symbolisch die Namen der toten Soldaten beider Weltkriege tragen.

 

Pastorin Sylvia Zwierlein

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 10. Juni 2018

um 10:00 Uhr

Hofgottesdienst

auf Hof Hochgenuss

mit Pastor Petrusch

 

 

25361 Elskop, Dorfstrasse 27